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Flecken

Geschichte

Die Siedlung, die im Weichbild der Burg lag, hatte Fleckensrechte. Cornau durfte ein Siegel
führen, hatte einen Bürgermeister und Rat, ein Rathaus, und die Bewohner wurden als Bürger
bezeichnet. Noch im 17. Jahrhundert wiesen die Bürger darauf hin, daß sie den gleichen Status wie
Diepholz und Lemförde hätten. Da das Rathaus - vermutlich im 30jährigen Krieg - verbrannt und
das Siegel abhanden gekommen war, wurde dem Flecken am 14. 10. 1653 vom Landesherrn Christian
Ludwig, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, ein neues Siegel verliehen: „nemlich einen sprin-
genden Lewen, mit dieser Überschrifft: Flecken Cornow".
Andererseits wurden die Selbstverwaltungsrechte in der Verleihungsurkunde deutlich einge-
schränkt. Das Siegel dürfte nur in „Civilsachen, so allein die Bürgerschaft des Fleckens Cornow
concernieren, fürs andere in keinen wucherlichen Sachen oder Unser außgangenen Fürstlichen
Policey-Ordnung zuwieder lauffenden Contracten, fürß dritte in keinen Ehe Recessen, so in unser
Fürstlichen Kirchen-Ordnung verbotten, sonderlich so zwischen Ihren Bürgern und den Haußleuten
auf dem Lande etwan vorgehen, oder die Unser Ambter directe vel per indirectum concernieren,
gebrauchen, und fürs vierte keine Geburts Brieffe ohne unser Beampten Vorwissen damit versiegeln
wollen und sollen." Es folgt dann die Drohung, daß bei Mißbrauch das Siegel eingezogen und
Strafmaßnahmen erfolgen würden.
Als Flecken unterstand Cornau nicht wie die anderen Orte einem Amtsvogt, sondern dem Amte
Diepholz unmittelbar. Immer wieder kam es wegen der Rechte zu Auseinandersetzungen zwischen
Amt und Flecken. So wurde 1718 der damalige Bürgermeister Hinrich Brockmann mit einer Geld-
strafe belegt. Brockmann hatte den Bürger Berend Meyer, „weiln er bei der Vogtei über die
gewalthätige Bestrafung geklaget, gleich in den Block legen laßen, dergleichen Bestrafung ihm nicht
gebüret"55). 1771 wurden Bürgermeister Meyer und die Ratleute Hinrich Stukenburg und Cord
Andreas Schultz auf das Amt bestellt und belehrt, daß ihnen „nicht die geringste Gerichtsbarkeit
noch Ausübung einiger gerichtlicher Handlungen" zustehe56). Aus dem 17. Jahrhundert sind noch
die Namen einiger Bürger bekannt:
Friedrich Alerding, Ackerbürger 1616
Erich zu Höften, Bürger 1644
Ribbeke und Heinrich Koch 1651 Hermann Sander (Sandering) 1651
Jasper auf der Kuhlen 1651
Johann Stukenborg 1651
Der Hof des Bauern Gerd Schwarzriede lag 1651 noch wüst, während der des Bauern Hagedorn
wieder besetzt war.
Johann Alerding 1657
Johann Kraft, seine Frau Agnes (oder Anna) und die Tochter Hille sind schon an anderer Stelle
erwähnt worden.
Mit dem Rathaus hatte es eine besondere Bewandtnis, denn es hatte eine dreifache Funktion: es
enthielt die Ratsstube, war Weggeldeinnahmestelle und war Gasthaus. „Im hiesigen Flecken ist es
hergebracht, daß nur eine Schencke seyn darf, welche jährlich mit dem Rathhause und Weggelde
verpachtet wird"57). Im Jahre 1693 hatte Rolf Gröne, 1702 Caspar Speckmann die Bierschänke
gepachtet. Umstritten war das Recht, Branntwein auszuschenken. Deswegen schrieb man 1766 an
das Amt in Diepholz: „Es ist bekannt, daß Cornau ehedem Sitz der Grafen von Diepholz gewesen ist.
Man wird mithin nicht ohne Grund schließen können, daß die Bürger zu Cornau dieselben Rechte
haben, welche die zu Diepholz genießen." Dieses Recht, nämlich Branntwein auszuschenken, scheint
zugestanden worden zu sein.
Die jährliche Pacht betrug 1766 31 Reichsthaler 36 Groten. Dafür hatte der Pächter das Schank-
monopol in Cornau, das aber wohl nicht immer eingehalten wurde. Es kam mehrfach zu Beschwer-

den, daß andere mehr oder weniger offen Branntwein ausschenkten. Der jeweilige Pächter erhielt das
Recht, Bier und Branntwein zu verkaufen und das Wegegeld zu erheben. Das Bier mußte bei den
Bauern im Flecken gekauft werden. Wenn infolge Straßen- oder Brückenbaus, der länger als acht
Tage dauerte, der Besuch der Schenke beeinträchtigt wurde und damit der Umsatz sank, bekam der
Pächter Entschädigung.
Nach dem 30jährigen Krieg scheint man ein neues Rathaus gebaut zu haben. 1787 wurde das
Rathaus als alt bezeichnet. In den „Annalen der Brauschw.-Lüneburg. Churlande" von 1789
wurde es erwähnt: „Obwohl ein Rathaus da ist und der Ort einen Bürgermeister hat, so ist dies
neben der geraden Straße doch alles, was einem Flecken gleichen könnte."
Ende des 18. Jahrhunderts trug man sich mit Neubauplänen, obwohl die Mittel dazu fehlten.
Damals war das Rathaus an den Schutzjuden Joseph Nathan vermietet, der dafür jährlich 5 Reichs-
thaler zahlen mußte. Der Verkauf des alten Hauses sollte 200 Reichsthaler bringen. 1801 bot Spradau
ein entsprechendes Grundstück für den Neubau an. Der Bauplan sah ein Gebäude mit einer
Grundfläche von etwa 315 Quadratmetern vor, wobei die Ratsstube sich mit 15 Quadratmetern
zufrieden geben mußte. Die übrige Fläche stand für den Schankraum, für Schlafstuben für Fuhrleute
und für Pferdeställe zur Verfügung. Man wies daraufhin, daß die Schenke wegen der beiden Kram-
und Viehmärkte (im Frühjahr und im Herbst) unentbehrlich sei. Es meldete sich auch schon ein
Korporal aus Nienburg, der das Gasthaus pachten wollte, um „etwas Nahrung und Gewerbe zu
treiben."
Über den Bau kam es zu einem Konflikt zwischen Bürgermeister und Bürgerschaft, die- die
Ausführung wegen der inzwischen auf das Dreifache gestiegenen Baukosten ablehnte. Es ist anzu-
nehmen, daß das Projekt nicht verwirklicht wurde, doch sagen die Akten darüber nichts. 1816 wurde
das alte Rathaus wegen Baufälligkeit verkauft. Der Bürgermeister verrichtete die Amtsgeschäfte in
seinem Hause.
Dagegen wurde schon 1780 der Bau der neuen Huntebrücke vollendet. Das war aus zwei Gründen
nötig. Einmal war die alte Brücke dem starken Verkehr auf der Heerstraße Bremen-Osnabrück nicht
mehr gewachsen. Zum ändern war der Wasserdurchlaß zu eng, so daß es bei Hochwasser zu
Stauungen kam. Die Brücke wurde deshalb um mehr als ein Drittel verlängert. Die Gesamtkosten
betrugen 410 Reichsthaler, wobei sich die Regierung in Hannover mit einem Gnadengeschenk von
300 Reichsthalern beteiligte. Die restliche Finanzierung erfolgte durch eine Umlage bei den Bürgern
und durch den Verkauf von Abfallholz der neuen und der alten Brücke. Jeder Pfahl und jeder Balken
für den Neubau wurde einzeln bei den Einwohnern von Cornau, aber auch in Barver, Dreeke und
anderen Orten gekauft. Interessant sind auch die „Baunebenkosten". So bekamen die Pastoren in
beiden Drebber für die Bekanntmachung des Holzverkaufs je 9 Groten, die Arbeiter für das Einram-
men der Pfähle Branntwein im Werte von einem Reichsthaler, einem Groten und zwei Pfennigen,
die Fuhrleute Bier für einen Reichsthaler, 32 Groten und zwei Pfennigen. Zum Vergleich: ein Pfund
Fleisch kostete damals 3-5 Groten (l Reichsthaler = 36 Groten = 288 Pfennige).
Daß die Regierung fast Dreiviertel der Kosten übernommen hatte, ist darauf zurückzuführen, daß
die bisherige Brücke für den örtlichen Bedarf gereicht hätte, also lediglich ein überörtliches Interesse
bestand. Daher war Cornau an einem Neubau wenig interessiert. Zudem berichtet das Amt, daß
Cornau nur 34 Häuser habe, „von denen der größeste Teil völlig verarmt ist." „Dies arme Flecken"
konnte 20 Jahre später (1799) auch die nötigen Kosten für Brückenreparaturen von über
200 Reichsthalern nicht aufbringen, so daß die Regierung wieder mit 80 Thalern helfen mußte.
Neben der Hunte- war auch die Dadaubrücke zu unterhalten. Um 1800 war ferner die Schule, die aus
dem 17. Jahrhundert stammte, in einem solch schlechten Zustand, daß für 700 Reichsthaler eine
neue gebaut werden sollte. Über die Verwirklichung dieses Planes ist nichts bekannt.
Übrigens gab es früher im 30 km nördlich von Cornau gelegenen Wildeshausen im Kleinen
Stadtwall eine Pforte („Lüüeke Porte"), die auch Cornauer Tor genannt wurde. „Nach der heutigen
Wallanlage muß aber angenommen werden, daß es sich bei dem Cornauer Tor nicht um ein

regelrechtes Stadttor, sondern nur um eine kleine Pforte in der Stadtmauer gehandelt hat, um eine
Pforte, die vielleicht gar nicht einmal mit Wagen, sondern nur mit Karren passiert werden
konnte" . Soweit die Beziehung Wildeshausens zu Cornau.
Früher gab es zuweilen Bestimmungen, die für den heutigen Menschen seltsam anmuten. So
wurden bis zum Jahre 1800 Hundehalter bestraft, die eine entsprechende Polizeiverordnung nicht
einhielten: Danach mußte nämlich jeder Hund einen Knüppel von einer halben Elle Länge umhän-
gen haben, während Schäfer- und Hirtenhunde am Strick geführt werden mußten. Strafen bei
Zuwiderhandlungen sind seit 1685 nachweisbar. In einem Fall ist überliefert, daß Spradau als Inhaber
einer „Cantzleysässigen" oder adelig-freien Stelle von einer Strafzahlung befreit war.
Die Feuersgefahr war im 19. Jahrhundert noch sehr groß, da die Häuser aus Fachwerk gebaut und
mit Stroh gedeckt waren. Da Cornau an Hunte und Dadau liegt, stand man mit der Löschwasserver-
sorgung nicht schlecht da. Außerdem gab es im Flecken 28 Brunnen, die natürlich in erster Linie der
Trinkwasserversorgung für Mensch und Vieh dienten. In den Brunnen stand das Wasser im Winter
etwa vier Meter hoch, im Sommer dagegen nur 1,50 bis 2 Meter. Daher hatte man noch fünf
Notkuhlen angelegt, die jeweils eine Größe von etwa drei mal drei Metern hatten und eine Tiefe von
ebenfalls drei Metern.



Quelle: Hans Gerke: Drebber. Chronik des Fleckens Cornau

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